Hopfen, nicht verloren, sondern geschmort

by italiona
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luvertin, wilder Hopfen

Nun sprießen die jungen Knospen und Triebe wieder, was das Zeug hält und überziehen die ganze Gegend mit frischem Grün. Tulpen und Narzissen haben sich inzwischen vielerorts verabschiedet, dafür stehen die Kastanien in voller Blütenpracht.

DSCF1919-2Zu dieser Jahreszeit findet man auch die feinen Triebe des wilden Hopfens, die sich auf der Suche nach Halt an allem, was sich anbietet, in die Höhe winden. Übrigens immer im Uhrzeigersinn. Humulus lupulus, so der botanische Name, wächst gern an Waldrändern, Brachland und in Gewässernähe, einmal angewachsen, kann die Pflanze für ambitionierte Gärtner sehr störend Hopfensein, da der wilde Hopfen über ein weitverzweigtes Wurzelwerk verfügt. Mit seinen Trieben, die jedes Frühjahr neu austreiben, kann er andere Gewächse regelrecht erdrücken oder zumindest überwuchern.

Des Gärtners Last, des Gourmets Entzücken, so ließe sich ‚luvertin‘, wie der Hopfen im piemontesischen Dialekt genannt wird, umschreiben.

Mir war nicht bekannt, daß sich die zarten Triebe als Gemüse zubereiten lassen und diese in der piemontesischen Frühjahrsküche einen festen Platz haben. Und das schon seit Generationen. Vor Tiefkühltruhenzeiten und Supermarkteinkauf war es üblich, auch die wildwachsenden Gaben der Natur in die Ernährung einzubeziehen. Schön, daß es die Pflanzen und Rezepte noch gibt, zumindest in dieser Gegend, wo das Essen und Genießen einen herausragenden Platz einnehmen.DSCF1847

Beim letzten Spaziergang wurden also die Augen offen gehalten und fleißig geerntet, dochHopfen um eine ausreichende Menge für eine Mahlzeit zu erhalten, benötigt man schon ein wenig Zeit. Gepflückt werden nur die Triebspitzen, etwa die ersten 15 – 20 cm, je nach Stärke, sie lassen sich ganz einfach mit den Fingern abknipsen. Ansonst kann es passieren, daß man später härtere Fasern auf dem Teller hat, wie man es vom Spargel her kennt.

Unsere Ausbeute war schließlich so groß, daß wir an zwei Tagen davon satt werden konnten.

Wir entschieden uns, die Stiele zuerst als Beilage zu ….. genau, zu frisch gefangener Bachforelle zuzubereiten. Es finden sich aber auch andere Möglichkeiten, gern wird der luvertin zum Risotto gegeben oder auch als Frittata (ein Rühreigericht) verarbeitet.

Nachdem alles gewaschen ist, gibt man das Wildgemüse in reichlich kochendes Salzwasser, um es nach wenigen Minuten abzuschwenken und in einer Pfanne etwa 10 Minuten mit Butter zu DSCF1749schmoren. Wenn man möchte, kann Knoblauch oder auch klein gehackte Zwiebel beigefügt werden. Abgeschmeckt wird mit frischem Pfeffer und eventuell Salz. Fertig. Mich erinnerte der Geschmack an Spinat, wahrscheinlich auch der Farbe wegen, auf jeden Fall lecker und gesund!

Ach ja, der Fisch war natürlich wieder ausgezeichnet, die Zubereitung erfolgte wie bereits hier weiter unten beschrieben.

HopfengerichtAm darauffolgenden Tag wurde die andere Hälfte zu Nudeln verzehrt. Dazu nutzten wir nur ‚die Spitzen der Spitzen‘, da es am Vortag, wie bereits erwähnt, zeitweise etwas zadderig zuging. Das war nochmal eine ziemliche Pulerei, wir wurden aber mit einem Gaumenschmaus erster Klasse belohnt.

Nach dem Waschen und Blanchieren landete der luvertin in der Pfanne, dieses Mal wurde aber zusätzlich etwas Kochwasser und ca. 100g Gorgonzola (der pikante) und eine kleine Prise peperoncino (Chilli) beigemengt. Kurz vor dem Hinzufügen der nebenbei gekochten Nudeln (natürlich al dente, also bißfest) haben wir noch etwas fein gehackten Knoblauch zugegeben. Auf ganz kleiner Flamme wird alles ein wenig geschwenkt, bis jede ‚Penne rigate‘ von der Soße umhüllt ist.

Servieren, frischer Pfeffer drüber und mmmmmhhhh!!! Besser geht’s nicht.Nudeln mit Hopfen

Werde mich wohl nochmal auf die Suche machen, zu lang ist sonst die Wartezeit bis zum nächsten Frühling.DSCF1805

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